
Einführung
Seit der Übernahme von VMware durch Broadcom hat sich die Strategie rund um VMware Cloud Foundation (VCF) drastisch verändert.
Die Version 9, die auf der letzten VMware Explore angekündigt wurde, verkörpert diese neue Ausrichtung: ein einzigartiges Paket mit allen Komponenten, die für den Aufbau einer Private Cloud erforderlich sind, vereinfachter Lizenzverwaltung und überarbeiteten Nutzerprofilen.
„VMware Cloud Foundation 9 delivers a single, integrated stack that simplifies licensing, reduces operational complexity and provides a predictable, core-based pricing model – enabling customers to deploy a truly hybrid cloud with confidence.“
Pressemitteilung von Broadcom, „Broadcom Announces VMware Cloud Foundation 9 – A Unified, Simplified and Cost-Predictable Hybrid Cloud Platform“, 30. Mai 2024
Ein einziges Paket, weniger Produkte
In früheren Versionen wurde VCF als eine Kombination mehrerer Lizenzen (vSphere, vSAN, NSX-T usw.) wahrgenommen, die von Kund:innen separat erworben und orchestriert werden mussten. Mit VCF 9 hat sich der Ansatz geändert, denn statt „à la carte“ gibt es nun ein einziges, umfassendes Produkt.
Diese Vereinfachung dient zwei wichtigen Zielen: der Reduzierung der Komplexität und der operativen Kohärenz.
Neue Lizenzpolitik: vom RAM zum Core
Auch das Preismodell wurde überarbeitet. Anstelle der Abrechnung basierend auf dem von virtuellen Maschinen verbrauchten RAM führt Broadcom eine Core-Lizenz mit einem Minimum von 16 Cores pro Socket ein. Konkret bedeutet das, dass die Kosten beim Hinzufügen von Nodes oder beim Skalieren einfacher vorhersehbar sind.
Hier ist zu beachten, dass die meisten Unternehmensserver ohnehin bereits mit Prozessoren mit 16 oder mehr Cores ausgestattet sind, was das Modell für die Bereitstellung im großen Maßstab zweckdienlicher macht.
Ein neues Erlebnis mit VMware
VCF 9 folgt der Customer-Experience-Strategie von VMware, die auf Folgendes setzt:
- Native Automatisierung, um Umgebungen mit nur wenigen Klicks bereitstellen und betreiben zu können
- Integrierte Observability dank der Observability Suite (Logs, Metriken), die automatisch mit der VCF-Lösung bereitgestellt wird
- Standardmäßige Sicherheit mit NSX vDefend und NSX Intelligence
Kurz gesagt ist VCF 9 eine Plattform, die auf die Anforderungen einer modernen Private Cloud eingeht und eine übersichtlichere Preisgestaltung, eine vereinfachte Verwaltung und eine überarbeitete User Experience bietet.
Diese neue Vision von Broadcom ebnet den Weg für schnellere, kostengünstigere und sicherere Deployments – ein Thema, das wir noch ausführlich behandeln werden.
Unser Best-of der Neuerungen
- Erweiterte Deduplizierung und Komprimierung mit vSAN: Die Inline-Komprimierung ist in den Standard- oder Stretched-Versionen verfügbar und mit mehr Workloads kompatibel (z. B. SQL, Oracle). Die Deduplizierung ist jetzt clusterweit und mit der Verschlüsselung im Ruhezustand kompatibel. Die Komprimierung wurde verbessert (4K-Blöcke), verwendet Zstandard und ist mit vSAN ESA „always-on“ (standardmäßig aktiviert).
- VCF Management Services: Bereitstellung der Managementkomponenten im Container-Modus anstelle mehrerer virtueller Appliances (z. B. Fleet, Salt, Software Depot, Identity Broker). Alles wird in der VCF Management Services-Appliance bereitgestellt, die repliziert werden kann, um die gewünschte Fehlertoleranz zu erreichen.
- vSphere Kubernetes Service (VKS): LCI (Local Consumption Interface) wird zu einem nativen Supervisor-Service, der standardmäßig aktiviert ist und eine UI bietet, die in den vSphere-Client integriert ist, um virtuelle Maschinen, Kubernetes-Cluster und Container zu verwalten. Zudem ist ein CaaS-Runtime-Modus (Container as a Service) enthalten, der leichter ist als VKS und die Container direkt auf ESX ausführt. Und schließlich wurde der Lebenszyklus der VKS-Cluster selbst stark beschleunigt.
- vSAN Native Object Storage (Tech Preview): Self-Service-S3-Objektspeicher für Entwicklungsteams, der die gleichen Workflows wie der Block- und Dateispeicher verwendet.
- ESX Live Patching ESX (TPM-Hosts) und vCenter RDU: im laufenden Kernel-Speicher angewendete Patches, keine Unterbrechung der virtuellen Maschinen, bis zu 80 % der Patches.
- vSAN-Schutz: vSAN 9.1 erweitert seine Replikation, um Quellen zu schützen, die nicht auf vSAN vorhanden sind. NFS-, VMFS-, FC- oder iSCSI-Datastores können jetzt auf ein vSAN ESA-Ziel repliziert werden.
- Schneller Rollout von vCenter Security Patches: Der Quick Patch ermöglicht das schnelle Anwenden von Patches auf vCenter mit minimaler oder manchmal gar keiner Downtime (je nach Dienst) und zielt speziell auf die schnelle Bereitstellung wichtiger Sicherheitskorrekturen ab.
Wenn Sie mehr Details zu den vielen Änderungen und Neuerungen wünschen, können Sie sich im umfangreicheren Changelog informieren.
Hinweise für ein Upgrade
- Architektur: Durch die Einführung der VCF Management Services und des Fleet Lifecycle (Abschaffung der autonomen Fleet Management-Appliance) ändert sich die Topologie der Managementschicht.
- Netzwerk: Starker Anstieg bei VPC/Transit Gateway und deren Nutzung in vCenter. Überprüfen Sie die Auswirkungen auf bestehende NSX- und Terraform-Integrationen.
- Lizenzierung: Neues Lizenzmanagement, dessen Compliance im Unternehmen validiert werden sollte.
- HCX-Abschaffungen: Es ist mit Migrationen für PhotonOS (10.0) und VMware Cloud Director (9.2) zu rechnen.
- Upgrade-Sequenz: Lesen Sie die Seite „Upgrade Sequence to 9.1“ in den Release Notes (NSX Edge jetzt am Ende der Sequenz).
Fazit
VCF 9 stellt einen wichtigen Wendepunkt für Broadcom dar: ein einzigartiges Paket, eine vereinfachte Core-Lizenz und eine neu gestaltete User Experience für die hybriden Architekturen von heute. Die globale Vision, das neue Preismodell, die neue User Experience und die wesentlichen Features, die diese Version ausmachen – wir haben hier bereits viel erläutert.
Doch dieser Artikel ist nur ein erster Schritt: Jede Funktion geht mit technischen Feinheiten, Implementierungsszenarien und Best Practices einher, die es wert sind, eingehend beleuchtet zu werden. Und genau das werden wir in den nächsten Artikeln tun!
Bleiben Sie also dran und teilen Sie Ihre Fragen oder spezifischen Anforderungen mit unserem Team oder auf Discord (https://discord.gg/ovhcloud).
Bis bald zum ersten Deep Dive!