
Der .si-Domain-Boom wegen der Superintelligenz – kurz erklärt
Zwei Buchstaben haben Ende September im Domain-Kontext ordentlich Schlagzeilen gemacht. Die Länderendung Sloweniens, .si, entsprach plötzlich dem neuen Kürzel der US-Regierung für künstliche Intelligenz und die Registrierungen schnellten binnen weniger Stunden in die Höhe. Wer eine Marke online verwaltet, stellt sich angesichts des .si-Domain-Booms eine naheliegende Frage: Gehört mein Name auch unter .si noch mir? Hier erfahren Sie, was passiert ist, was die Zahlen zeigen und was jetzt sinnvoll ist.
## Was ist mit .si los?
Am 22. September kündigte Präsident Trump vor der UN-Generalversammlung an, dass die Vereinigten Staaten künstliche Intelligenz künftig als „Super Intelligence“ (Superintelligenz) oder SI bezeichnen würden. Eine Woche später, am 29. September, unterzeichnete er die Executive Order 14434 (Präsidialverfügung), in der Bundesbehörden aufgefordert werden, in ihrer offiziellen Korrespondenz, auf Websites, in Berichten und in sonstigen Dokumenten ohne Gesetzescharakter den Begriff „Super Intelligence“ oder „SI“ zu verwenden.
Die Verfügung ändert die Wortwahl, aber nicht das Recht. Im Sinne der Verfügung deckt SI genau die Technologien ab, die im US-Bundesrecht bereits als AI definiert sind, und bestehende Gesetze, Verordnungen und Verträge bleiben vorerst unverändert.
Der Bezug zu Domains ist ein reiner Buchstabenzufall. Jedes Land hat eine zweistellige Internetendung, die sogenannte länderspezifische Top-Level-Domain (country-code Top-Level-Domain, ccTLD), und .si gehört zu Slowenien. In unserem Guide zum Thema Was ist ein Domainname können Sie bei Bedarf noch einmal nachlesen, wie Domainendungen funktionieren. Anders als bei manchen anderen nationalen Endungen kann .si von allen Personen oder Organisationen verwendet werden, unabhängig davon, wo sie ansässig sind.
## Der Superintelligenz-Effekt auf .si-Domains
Das Sicherheitsunternehmen Netcraft, das Domainregistrierungen weltweit verfolgt, stellte fest, dass die neuen .si-Registrierungen bereits 25 Stunden nach der UN-Rede die .ai-Registrierungen überholt hatten. Die Verfügung verstärkte diesen Effekt noch zusätzlich: Die täglichen .si-Registrierungen haben sich im Vergleich zur Woche vor der Unterzeichnung mehr als verdoppelt.
Die Statistiken der Registry selbst zeichnen Netcraft zufolge dasselbe Bild. Im September wurden rund 13-mal so viele .si-Domains registriert wie im August. Die Zahl der Registrierungen innerhalb von 24 Stunden stieg von 4.794 am 23. September auf 13.603 am 01. Oktober und die Gesamtzahl der .si-Domains wuchs innerhalb von acht Tagen um ganze 21,6 %.
Register.si, die Organisation, die die Endung verwaltet, bezeichnet die Entwicklung als beispiellos, hält sich mit einer Erklärung der Ursache allerdings zurück. Gegenüber der BBC hieß es von dort, der Anstieg solle nicht allein auf die Ankündigung der USA zurückgeführt werden.
## Spekulanten und Doppelgänger-Domains
Das Muster ist bekannt. Als die Endung .ai von Anguilla Fahrt aufnahm, wurde sie zur Standardendung für Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz und damit auch zu einer bedeutenden Einnahmequelle für das Gebiet. Viele setzen heute darauf, dass .si denselben Weg gehen könnte.
Ein Teil der Nachfrage ist eindeutig spekulativ. Netcraft stellte fest, dass etwas mehr als die Hälfte der .si-Domains, die das Unternehmen in den Tagen vor der UN-Rede bei einem Registrar beobachtet hatte, bereits zum Weiterverkauf angeboten wurde. Einige dieser Namen gehören bekannten Marken, wurden aber von Personen registriert, denen diese Marken nicht gehören.
Ein zweites Risiko kommt von der Tastatur. Sowohl auf QWERTZ- als auch auf QWERTY-Tastaturen liegt das „s“ direkt neben dem „a“. Eine .si-Adresse ist also nur einen Tastenanschlag von ihrem .ai-Pendant entfernt. Netcraft zählt mehr als 44.000 Namen, die unter beiden Endungen existieren. Das sind rund 22 % aller .si-Domains. Das ist ein fruchtbarer Boden für Typosquatting – also die Registrierung nahezu identischer Adressen, um vertippte Aufrufe abzufangen oder Phishing-Kampagnen glaubwürdiger erscheinen zu lassen.
Derzeit gibt es unter .si noch wenig Betrug und Netcraft hat bisher keinen Anstieg von Phishing in Zusammenhang mit der Umbenennung festgestellt. Das Risiko nimmt jedoch zu, wenn sich „SI“ weiter durchsetzt. Deshalb ist es sinnvoll, zu handeln, solange die Namen noch verfügbar sind.
.si vs. .ai: Wo liegt der Unterschied?
Viele gehen davon aus, dass .si dem Weg von .ai folgen wird. Heute unterscheiden sich die beiden Endungen jedoch noch in drei Punkten.
Der erste ist die Verfügbarkeit. Tech-Unternehmen nutzen .ai seit Jahren, daher sind die meisten prägnanten .ai-Namen bereits vergeben. Unter .si sind viele dieser Namen noch frei.
Der zweite Punkt ist der Preis. Bei OVHcloud kostet eine .si-Domain im ersten Jahr 17,84 € inkl. MwSt. und 16,98 € inkl. MwSt. bei Verlängerung. Eine .ai-Domain kostet im ersten Jahr 84,49 € inkl. MwSt. und 142,79 € inkl. MwSt. bei Verlängerung. Außerdem muss sie für mindestens zwei Jahre registriert werden.
Der dritte Punkt ist die Bekanntheit, und hier hat .ai noch die Nase vorn. Viele verbinden .ai bereits mit künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence). Ob das auch bei .si der Fall sein wird, hängt davon ab, wie weit sich „SI“ über die Dokumente der US-Regierung hinaus durchsetzt.
Empfiehlt es sich, jetzt eine .si-Domain zu registrieren?
Das hängt davon ab, wofür Sie sie nutzen möchten. Wenn Sie eine Marke besitzen, lautet die Antwort Ja: Die Registrierung Ihres Namens kostet wenig und schützt ihn vor Spekulanten und Typosquattern. Im nächsten Abschnitt erläutern wir, was Sie überprüfen sollten.
Wenn Sie ein KI-Produkt entwickeln, können Sie .si auch für Ihre Hauptadresse verwenden – insbesondere, wenn Ihr Wunschname unter .ai bereits vergeben oder unerschwinglich ist. Bedenken Sie aber, dass .si erst seit wenigen Wochen mit künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht wird.
Namen nur zu kaufen, um sie weiterzuverkaufen, ist eine ganz andere Geschichte. Der Ansturm war bereits groß und niemand weiß bisher, ob „SI“ sich langfristig durchsetzen wird.
Ihre Marke unter .si sichern
Sie müssen nicht auf die Zukunft von „SI“ wetten, um Ihre Marke zu schützen. Mit wenigen Prüfungen decken Sie das Wichtigste ab.
- Suchen Sie unter .si nach Ihrem Markennamen sowie nach Ihren wichtigsten Produktnamen. Sie jetzt zu registrieren, ist in der Regel einfacher, als sie später von Dritten zurückzuholen.
- Wenn Sie bereits eine .ai-Adresse nutzen, sollten Sie sich auch das .si-Gegenstück sichern, da es einer der wahrscheinlichsten Tippfehler für Ihre Adresse ist.
- Prüfen Sie, ob bereits Doppelgänger Ihres Namens registriert sind, und dokumentieren Sie es, falls einer davon auf verdächtige Inhalte verweist.
- Nach der Registrierung Ihrer Domain empfiehlt es sich, DNSSEC zu aktivieren, um deren DNS-Konfiguration vor Cache Poisoning zu schützen. Unser Guide zu DNSSEC führt Sie durch die Einrichtung.
In unseren verschiedenen Inhalten zu Domainnamen können Sie sich beispielsweise auch darüber informieren, was Ihre Optionen sind, wenn Ihr gewünschter Domainname bereits vergeben ist.
Wie geht es weiter?
Ganz gleich, ob sich „Super Intelligence“ über die Dokumente der US-Bundesbehörden hinaus verbreitet oder mit den Schlagzeilen wieder verblasst: Der Super-Intelligence-Run auf .si-Domains hat bereits einiges verändert. Das nächste Signal, das es zu beobachten gilt, ist die 60-Tage-Frist der Verfügung für eine landesweite Definition von SI, die Ende November abläuft. Bis dahin ist der einfachste Schritt, die Verfügbarkeit unter .si für Ihre Marke zu prüfen und sich die Namen zu sichern, die Ihnen gehören.