
Eine Minute der Nichtverfügbarkeit, die sich zu einem schweren Vorfall entwickelt, massive API-Aufrufe, ein B2B-Kunde, der keine Unterbrechungen duldet: Das ist der Alltag vieler kritischer SaaS-Plattformen.
Bei einer kürzlichen Präsentation demonstrierten Alexandre Buisine, Managing Partner bei Enix, und Maxime Lehmann, Product Marketing Leader bei OVHcloud, anhand eines realen Kundenfalls (eine B2B-SaaS-Ticketing-Lösung), wie die 3-AZ-Architektur (3 Availability Zones) von OVHcloud in Kombination mit dem gemanagten Plattform-Layer von Enix eine wirklich resiliente Infrastruktur ohne übermäßige Komplexität ermöglicht.
Ein Kundenbeispiel, das nicht einfach ist
Der Kontext ist hier eine B2B-Ticketing-Plattform, die massive und konzentrierte Lastspitzen bewältigen muss. Bei mehr als einer Minute Nichtverfügbarkeit spricht man für den Endkunden bereits von einer Dienstunterbrechung.
Die Architektur basiert auf klassischen Cloud-Native-Bausteinen – Loadbalancer, verwaltete Kubernetes-Infrastruktur, PostgreSQL, Elasticsearch –, aber die eigentliche Herausforderung besteht darin, sie so zusammenzuführen, dass keiner zum Single Point of Failure wird. Das ist keine spezifische Herausforderung für diese Art von Anwendung. De facto ist hohe Verfügbarkeit ein wesentliches Thema für viele Unternehmen und Anwendungen.
Die Infrastruktur-Antwort: das Versprechen von 3-AZ
OVHcloud hat seine regionale Infrastruktur mit physisch getrennten Availability Zones neu konzipiert: drei Rechenzentren, die über 30 km voneinander entfernt und mit einer Latenz von weniger als 1 ms zwischen den Zonen verbunden sind. Das Ziel: einen lokalen Notfall bewältigen, ohne dass die Anwendungsleistung beeinträchtigt wird.

Die Dienste reagieren nicht alle gleich auf einen lokalen Ausfall:
Regionale Dienste – Object Storage, verwaltete Datenbanken, Loadbalancer, Public IP, Managed Kubernetes Service – sind nativ hochverfügbar. Bei zonalen Diensten wie klassischen VMs hingegen liegen Verteilung und Failover in der Verantwortung des Architekten bzw. der Architektin. 3-AZ ist also kein Allheilmittel, sondern ein Fundament, das den Aufbau einer resilienten Architektur erheblich vereinfacht.
Man kann dieses Fundament übrigens mit einer Landing Zone verbinden: ein automatisierter Governance-Rahmen (Netzwerke, IAM, Logs, Monitoring), der sicherstellt, dass jede Komponente – ob in einer Zone oder regional bereitgestellt – den Best Practices für Resilienz, Sicherheit und Compliance entspricht.
Der Managed Kubernetes Service ist ein weiterer Beleg für die zunehmende Resilienz der angebotenen Infrastruktur- und PaaS-Produkte.
Mit dem neuen MKS Standard Angebot wird eine Aktiv/Aktiv-Control-Plane in 3-AZ bereitgestellt, mit einem dedizierten etcd von 8 GB und einer Kapazität von 500 Nodes pro Cluster. In Sachen Netzwerk ist zu beachten, dass die Nodes standardmäßig privat sind und demnächst eine „Private Exposition“ API für die Verwaltung eingeführt wird. Außerdem sorgt das Cilium CNI für bessere Leistung und Observability. Eine Case Study hierzu finden Sie übrigens auf der Website der CNCF.
„Resilienz wird standardmäßig geboten, ohne zusätzliche Kosten für den Traffic zwischen Availability Zones.“
Maxime Lehmann, Product Marketing Leader bei OVHcloud
Über die Infrastruktur hinaus: die Frage des Betriebs
Eine gut konzipierte 3-AZ beseitigt die Gefahr von Nichtverfügbarkeit, aber nicht die betriebliche Belastung z. B. durch Versions-Upgrades, Konfigurationsdrift, zu behandelnde Vorfälle oder langfristige Abwägungen. Die Resilienz der Infrastruktur verschiebt das Problem, löst es aber nicht vollständig.
Das gilt besonders für Kund:innen, die über die technische Robustheit hinausgehen und den gesamten Betrieb bis zur Anwendungsschicht auslagern möchten, um sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren zu können. Dieser Ansatz könnte im Übrigen mit der Ausbreitung von Agentic AI noch stärker in den Fokus rücken.
Was Enix bietet: die Infrastruktur in einen Managed Service verwandeln
Eine resiliente Infrastruktur allein reicht nicht aus, um einen langfristig beständigen Service zu gewährleisten. Der „Enix on Top“-Layer bringt noch Projektmanagement, zusätzliche Komponenten (Observability, Sicherheit oder maßgeschneiderte Entwicklungen) und eine menschliche Betreuung (Fehlerbehebung durch erfahrene Engineers, die rund um die Uhr erreichbar sind, Migrationsüberwachung, FinOps-Steuerung) mit.
„Wir verkaufen nicht nur Infrastruktur, sondern einen hochverfügbaren Endservice mit einem zentralen Anlaufpunkt für den Betrieb.“
Alexandre Buisine, Managing Partner von Enix
In weniger als einem Monat vom Kick-off zur Produktion
Eine der Stärken von Enix ist die Schnelligkeit der Implementierung. Der Prozess gliedert sich in fünf Schritte:
- Kick-off
- Validierung des globalen Bestellscheins (Infrastruktur + Leistungen) durch Enix
- Lieferung der Infrastruktur durch OVHcloud
- Bereitstellung des „Enix on Top“-Layers
- Inbetriebnahme
Dieser komplette Zyklus kann in einigen Fällen in weniger als einem Monat abgeschlossen werden – ein deutlich kürzerer Zeitrahmen als bei intern durchführbaren High-Availability-Projekten, die deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen!
Das ist insbesondere der Vielzahl von Gesprächspartnern und Validierungen oder anderen gleichzeitig durchzuführenden Projekten geschuldet, aufgrund derer man sich nicht zu 100 % einer Aufgabe widmen kann.
Fazit
Was sich aus den Bereitstellungen in mehreren Availability Zones ergibt, ist eine Verschiebung des Fokus: Die hohe Verfügbarkeit wird nicht mehr als teures und maßgeschneidertes Engineering-Projekt dargestellt, das nur den größten Organisationen vorbehalten ist, sondern als eine Eigenschaft, die die Cloud-Infrastruktur nativ bieten sollte.
OVHcloud stellt mit 3-AZ die technische Basis bereit – physische Isolierung, automatische Replikation für regionale Dienste, vertragliches SLA – und Enix schließt die Lücke zwischen einer auf dem Papier verfügbaren Infrastruktur und einem Service, der tatsächlich täglich betrieben und überwacht wird.
Bleibt eine Frage offen: Würde Ihre aktuelle Architektur das vollständige Ausfallen eines Rechenzentrums überleben, hier und jetzt? Wenn die Antwort nicht sofort „Ja“ lautet, sollten Sie sich vielleicht darüber informieren, was 3-AZ (und die dazugehörige Begleitung) daran ändern könnte.